Was ist Therapie?
Das Wort Therapie kommt aus dem Griechischen (therapeuia) und bedeutet „heilen/dienen/pflegen“ oder auch Behandlung und zielt darauf ab, Krankheiten oder seelische Verletzungen zu lindern und positiv zu beeinflussen. Voraussetzung für eine Behandlung ist eine Diagnose, d.h. die Feststellung oder Vermutung der Krankheitsursache. Diese wird in der Psychotherapie durch Beobachtung, durch Erfragen von Lebensumständen und möglichen vorangegangenen Befunden (Anamnese) gestellt.
Da die Ursachen für seelische Verletzungen, die ein Ungleichgewicht ausgelöst haben und/oder zum jeweiligen Zeitpunkt nicht lösbar waren, teilweise lange zurückliegen können, versucht der Therapeut/die Therapeutin, die persönlichen Lebensumstände einer Person zu erforschen und zu verstehen, wofür eine vertrauensvolle Beziehung zueinander von Bedeutung ist. Achten Sie deshalb darauf, ob Sie sich von Ihrem Therapeuten/Ihrer Therapeutin verstanden fühlen und ob Sie sich im Gespräch öffen möchten bzw. können.
In der Psychologie wird davon ausgegangen, dass eine Person, insbesondere schon sehr früh im Leben, für seelische Verletzungen ein Bewältigungsverhalten (coping mechanism) entwickelt hat, was sich bei wiederholtem Auftreten der Verletzung tief als automatisches Handlungsmuster einprägt. Im weiteren Lebensverlauf kann es wegen des automatischen Hervortretens dieser Muster in komplexeren Situationen oft zu erheblichen Schwierigkeiten kommen. Das deshalb, weil ein Handlungsspielraum für die Person, bei der ein automatisches Verhaltensprogramm abläuft, nicht möglich ist und das eingeprägte automatische Verhalten der neuen Situation oft nicht gerecht wird.
Die Therapie dient dazu, dieses automatische Verhaltensmuster sichtbar zu machen und durch ein bewusst gewähltes Verhalten zu ersetzen. Ziel einer Therapie ist also unter anderem mehr Handlungsfreiheit.
Jeder, der von einer Angst- oder Zwangsstörung betroffen ist, weiß, wie einengend solch empfundene Gefühls- und Verhaltensmuster sein können.
Oberstes Gebot in der Behandlung von seelischen Verletzungen ist daher Vertrauen, gewaltfreie Kommunikation und vorsichtige Annäherung. Dies nennt man das Entwickeln eines „sicheren Raumes“, in dem ein weiteres Vorgehen erst möglich wird. Meistens passiert das nicht sofort, sondern weil durch wiederholt positive (Beziehungs-) Erfahrung Entspannung eintritt.